Reisetipps Lateinamerika

Chachapoyas – das neue Cusco?

Eine Reise nach Peru? Ganz klar, dass dabei die imposante Inkastadt Machu Picchu, der gigantische Titicacasee und die rätselhaften Nazca-Linien auf dem Programm stehen. Der Norden Perus wird bei einer Peru Rundreise meistens sträflich vernachlässigt. Dabei gibt es auch hier koloniale Perlen, eine abwechslungsreiche Landschaft und archäologische Stätten wie Kuélap, die noch viele Rätsel aufgeben. Und besonders auffällig: deutlich weniger Touristenmassen bzw. überwiegend einheimische Besucher. Bei einer aktuellen Reise führte mich der Weg von Trujillo über Cajamarca nach Chachapoyas, die Hauptstadt der Region Amazonas und perfekter Ausgangspunkt für Erkundungen der Umgebung. Chachapoyas selbst ist ein kleiner verschlafener Ort mit einer hübschen Plaza de Armas, weiß getünchten Häusern und kolonialen Balkons, eingebettet in eine fantastische Andenlandschaft. Zur Zeit unserer Reise war die Stadt aber zum Leben erweckt, denn die Stadtpatronin Virgen Asunto wurde lebhaft auf den Straßen gefeiert (immer in den ersten beiden Augustwochen bis Mariä Himmelfahrt am 15. August).

Ausflugstipps für Chachapoyas und Umgebung

In und um Chachapoyas gibt es einige landschaftliche sowie kulturelle Highlights. Sicherlich reisen die meisten Touristen wegen der Prä-Inkastadt Kuélap, die auf über 3.000 Höhenmetern thront und als Tagesausflug ab Chachapoyas erreichbar ist, an. Doch es lohnt sich 4-5 Tage in der Region zu verbringen, um spektakuläre Wasserfälle, weitere nahezu unerforschte Ausgrabungsstätten und kleine Andendörfer zu erkunden.

Tag 1: Huancas und der Sonche Cañon

Nach der eher beschwerlichen Anreise über kurvenreiche Straßen nach Chachapoyas, die jedoch mit traumhaften Ausblicken schon während der Fahrt belohnt wird, kann man den ersten Tag entspannt angehen lassen. Das Andendorf Huancas liegt nur 10 km nördlich von Chachapoyas entfernt und ist vor allem durch seine Töpfertradition bekannt. Diese Handwerkskunst wurde sogar 2012 zum Nationalen Kulturerbe Perus ernannt. Im Ort selbst kann man den Brennprozess oftmals direkt auf der Straße beobachten und in kleinen Geschäften Töpferwaren erwerben. Vom Dorfzentrum ist es nur ein kurzer Spaziergang zur Aussichtsplattform über den Cañon del Sonche. Der Cañon hat eine Länge von über 11 km und eine Tiefe bis zu 962 m. An dessen Rand kann man Wanderungen oder Reittouren unternehmen.

Tag 2: Die Prä-Inkastadt Kuélap

Am zweiten Tag steht Kuélap auf dem Programm. Die Anlage liegt höher, ist größer und älter als die berühmte Inka-Stätte Machu Picchu. Die Festung wurde von der Kultur der Chachapoya, die von 900 bis etwa 1400 existierte, gebaut und liegt auf einem ca. 3.100 m hohem Bergrücken über dem Tal des Flusses Utcubamba. Seit Anfang 2017 beschert eine neu gebaute Seilbahn (derzeit 20 Soles für hin und zurück) eine einfachere Anreise. Zunächst muss man aber trotzdem circa 1 Stunde ab Chachapoyas mit einem Colectivo oder im Rahmen einer organisierten Tour die Straße bis nach Nuevo Tingo folgen. Hier wird das Seilbahnticket erworben und es erfolgt eine inkludierte 10-minütige Busfahrt bis zur Station während derer bereits erste Informationen (zweisprachig) zu Kuélap gegeben werden. Es schließt sich eine circa 20-minütige Fahrt mit der Seilbahn an, die ihr Ende im Eingangsbereich zur Festungsstätte findet. Hier gibt es den Ticketschalter, WC-Anlagen und ein kleines Café mit schöner Aussicht. Das letzte Stück nach Kuélap sind ca. 2,5 Kilometer, die zu Fuß oder per Pferd gemeistert werden können. Die Festung besitzt insgesamt drei hohe und extrem schmale Eingänge, diese können von maximal einer Person begangen werden. Der Ausgang liegt direkt gegenüber. Das hatte den Zweck, dass so mutmaßliche Eindringlinge direkt auf der gegenüberliegenden Seite wieder hinaus geworfen werden konnten. Außerdem gibt es drei verschiedene Ebenen, die vermutlich nach Gesellschaftsklassen gegliedert waren. In Zukunft soll auch ein Museum weitere Informationen liefern, bis dahin bleibt aber auch noch genügend Spielraum für Spekulationen, da große Teil der Anlage noch unerforscht sind oder verschiedene Annahmen bestehen.

Anreisetipp: Für Individualtouristen ist es absolut kein Problem die Anreise ab Chachapoyas mit einem Colectivo ab dem Terminal Terrestre eigenständig zu organisieren (7 Soles pro Person und Strecke). Leider haben wir aber am Eingang der Stätte keinen englischsprachigen Guide finden können. Wer also sicher stellen möchte, einen englisch- oder sogar deutschsprachigen Guide zu haben (und ohne Erklärungen ist der Besuch leider nur halb so interessant), der sollte vorab eine individuelle oder Gruppentour buchen.

Tag 3: Gocta oder Yumbilla Wasserfall

Das zweite Highlight der Region ist der Gocta Wasserfall. Mit 771 Metern Höhe gilt er als einer der höchsten Wasserfälle der Erde und wurde trotzdem aber erst in diesem Jahrhundert von einem deutschen Wissenschaftler entdeckt. Der Ausgangspunkt für eine Wanderung zum Wasserfall ist Cocachimba. Hin und zurück benötigt man circa 6 Stunden. In Cocachimba befindet sich auch die Gocta-Lodge, die bereits auf unserer Website vorstellen. Etwas weniger bekannt aber genau spektakulär ist der Yumbilla Wasserfall mit sogar 870 Metern Höhe. Während der circa. 1,5 stündigen Wanderung kommt man noch an zwei weiteren Wasserfällen – Medio Cerro und Cristal – vorbei. Die Wasserfallroute kann auch unkompliziert in einem Tagesausflug ab Chacha erreicht werden oder Ausgangspunkt kann die Posada del Cuispes im gleichnamigen Dorf sein.

Entscheidungstipp: der Gocta-Wasserfall ist sicherlich der „Star“ der Region, da die beeindruckenden Wassermassen den Yumbilla in den Schatten stellen. Wer jedoch eher nach dem Motto „der Weg ist das Ziel“ unterwegs ist, wird die Wanderung durch die unberührte Natur zum Yumbilla-Wasserfall genießen.

Tag 4: Karajía und Revash

Karajía ist eine Begräbnisstätte der Chachapoyas. Die Chachapoyas fertigten aus Lehm, Stroh und Holz Sarkophage in menschlicher Form. In ihrem Inneren bestatteten sie Mumien, die in Hockstellung Richtung Osten (und damit zur Sonne) blickten. Forscher vermuten, dass hier nur wichtige Vertreter der Chachapoyas-Kultur beigesetzt wurden.

Auch Revash ist eine alte Begräbnisstätte der Chachapoyas. Die kleinen, bunten Grabhäuschen wurden an heute unzugänglichen Felsvorsprüngen konstruiert. Leider wurden die Gräber geplündert, doch Forscher fanden hier trotzdem noch Skelette und einige Gebrauchsgegenstände wie Werkzeuge, Keramiken und Musikinstrumente.

Tag 5: Museum in Leimebamba

Die Kleinstadt Leimebamba (auch Leymebamba) erinnert mit den urigen Gässchen und der überschaulichen Plaza de Armas, auf der das öffentliche Leben stattfindet, an ein typisches Andenstädtchen. Das kleine Städtchen trumpft allerdings mit einem sehr sehenswertes Museum auf: das Museo Leimebamba. Interessierte können sich hier detailliert über die Kultur der Chachapoyas informieren. Hier lagern auch die Mumienbündel, die an der Laguna de los Cóndores gefunden wurden, in einem extra dafür konzipierten Raum. Außerdem werden interessante Artefakte der Kultur der Chachapoyas gezeigt.

Wer noch mehr Zeit mitbringt, dem wird sicherlich nicht langweilig. Die Region bietet unendlich viele Möglichkeiten, wie z.B. auch Trekkingtouren zu einer riesigen versunkenen Stadtanlage „Gran Vilaya“ oder zur Laguna de los Cóndores.

Ist Chachapoyas also das neue Cusco?

Abschließend möchte ich basierend auf eigenen Erfahrungen sagen, dass der Norden Perus definitiv mit einer Hülle und Fülle an Attraktionen mit dem bereits sehr bekannten und vermarkteten Süden mithalten kann. Sicherlich lassen sich so einfach keine Vergleiche zwischen den einzelnen Destinationen ziehen, denn Machu Picchu und Cusco bleiben Machu Picchu und Cusco und haben mich während einer vergangenen Reise ebenso schon in den Bann gezogen. So benötigen auch Chachapoyas und Kuélap nicht die Attribute „neu und besser“ aber verdienen definitiv den Titel „sehenswert“. Wer also bereits den Süden Perus kennt, sollte definitiv „Zweittäter“ werden und sich vom Norden des Landes begeistern lassen.

Eine Reise nach Chachapoyas kann auch mit weiteren interessanten Destinationen im Norden Perus kombiniert werden. Hier stellen wir bereits eine 11-tägige Rundreise Peru „El Norte“ vor. Gern erstellen wir auch individuelle Programme, bei Interesse schreibt uns gern eine Mail an info@mio-tours.de.

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1 Kommentar

  • Antworten 11 Jahre MEXICO MIO - unsere Geburtstagsbilanz! - Mexico Mio 23. August 2018 at 15:09

    […] sie gleich eine Kreuzfahrt mit der Stella Australis nach Feuerland. Zuletzt berichtete sie von Kuelap (dem neuen Cuzco?) und befindet sich gerade im peruanischen Regenwald bei […]

  • Antwort hinterlassen

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